2025 – Ein Jahr des gemeinsamen Wirkens für das Gemeinwohl
2025 war ein Jahr, das gezeigt hat, wie viel möglich wird, wenn Menschen Verantwortung übernehmen, ehrenamtlich, aber auch professionell, lokal wie international. In einer Zeit größter politischer Unsicherheiten, sozialer Spannungen und wachsender ökologischer Herausforderungen hat die Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland gemeinsam mit vielen Engagierten bewiesen: Eine andere Wirtschaft ist nicht nur notwendig, sie ist längst im Werden.
Ob auf kommunaler Ebene, in Unternehmen, in Bildungsinstitutionen, in der Zivilgesellschaft oder im politischen Diskurs – die GWÖ war 2025 sichtbar, wirksam und verbindend. Dieser Rückblick ist daher vor allem eines: ein Dank an all jene, die dieses Jahr mitgestaltet haben.
Politische Haltung zeigen: für soziale Gerechtigkeit und verbindliche Regeln
Ein Schwerpunkt des Jahres lag klar auf der politischen Arbeit. Früh im Jahr begleitete die GWÖ gesellschaftliche Debatten rund um neue gesetzliche Regelungen zu Mindestlohn, Wohngeld und Familienentlastung. Diese Entwicklungen zeigen, wie eng soziale Gerechtigkeit und Gemeinwohl-Prinzipien miteinander verknüpft sind. Politische Rahmenbedingungen sind entscheidend dafür, ob Wirtschaft dem Menschen dient oder umgekehrt.
Gleichzeitig wurde deutlich, wie fragil erreichte Fortschritte sind. Auf EU-Ebene drohen zentrale Instrumente des Green Deal durch das sogenannte Omnibus-Verfahren ausgehöhlt zu werden. Die GWÖ Deutschland bezog gemeinsam mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteur*innen klar Stellung gegen Deregulierung, die Klima-, Umwelt- und Menschenrechte gefährdet. In Stellungnahmen, Appellen und Pressearbeit machte die Bewegung deutlich: Vereinfachung darf nicht auf Kosten von Wirkung gehen.
Auch national blieb die GWÖ politisch präsent, etwa mit offenen Briefen zur gerechten Besteuerung großer Vermögen oder zur Verteidigung des Lieferkettengesetzes. Immer wieder wurde dabei eines klar: Gemeinwohl-orientierte Unternehmen sind keine Bremse, sondern ein Stabilitätsfaktor für Demokratie und Zukunftsfähigkeit.
Strukturen von innen heraus stärken
2025 war auch ein Jahr der strukturellen Weiterentwicklung. Mit Unterstützung der 3FO Stiftung arbeiteten Projekte in Deutschland, der Schweiz und international daran, die organisch gewachsene Bewegung zukunftsfähig aufzustellen. In Deutschland wurde im STRONG-Projekt an soziokratisch kompatiblen Strukturen gearbeitet, Verantwortungskreise wurden definiert und neue Formen der Zusammenarbeit erprobt.
Parallel dazu entstanden Lernräume wie die Soziokratie-Begleitgruppen oder neue Formate des Austauschs zwischen regionalen, nationalen und internationalen Ebenen. Diese Arbeit mag nach innen gerichtet erscheinen, sie ist jedoch zentral dafür, dass die GWÖ langfristig handlungsfähig, transparent und partizipativ bleibt.
Werkzeuge für Transformation: von der Matrix bis zur KI
Inhaltlich brachte 2025 wichtige Weiterentwicklungen. Mit der Veröffentlichung der Gemeinwohl-Matrix 5.1 wurde ein zentrales Instrument der Bewegung geschärft: klarere Sprache, stärkere Anschlussfähigkeit an EU-Regulierungen, neue Schwerpunkte wie „Sinn“ und eine vertiefte ökologische Perspektive. Die Matrix bleibt damit nicht nur Bewertungsinstrument, sondern ein strategischer Kompass für Organisationen im Wandel.
Auch neue Themen wurden mutig aufgegriffen. Das Forschungsprojekt „Impact AI“, an dem die GWÖ Deutschland gemeinsam mit renommierten Partnern beteiligt ist, stellt die Frage, wie der gesellschaftliche Nutzen von Künstlicher Intelligenz messbar gemacht werden kann. Hier bringt die GWÖ ihre Erfahrung in Wirkungsbewertung ein und öffnet den Diskurs für eine gemeinwohl-orientierte Digitalisierung.
Zugleich entstanden externe, aber praxisnahe Leitfäden wie der Impact Readiness Guide 2025 oder das Praxishandbuch IMV-Lab. Sie zeigen, wie Wirkung nicht nur gemessen, sondern in Organisationen, Netzwerken und ganzen Regionen systematisch verstärkt werden kann.
Gemeinwohl vor Ort: Projekte, die wirken
Besonders sichtbar wurde das Gemeinwohl dort, wo Menschen konkret ins Handeln kamen. Das Projekt GreenKayak Leipzig zeigte eindrucksvoll, wie niedrigschwellige Beteiligung ökologische Wirkung entfalten kann – mit Paddel, Müllsack und Gemeinschaftssinn. Im Leipziger Muldenland wurde mit Unterstützung des EU-Programms LEADER erprobt, wie das „Gute Leben für alle“ in Kommunen, Schulen und Vereinen diskutiert und gestaltet werden kann.
Neue demokratische Formate wie das Gemeinwohlparlament Leipzig machten deutlich, dass Teilhabe auch jenseits klassischer Institutionen möglich ist. Und dass Gemeinwohl mehr ist als ein abstrakter Begriff. Es ist gelebte Verantwortung.
Bildung, Kultur und Gemeinschaft
2025 war auch ein Jahr der Bildung und Begegnung. Die Sommerwoche der GWÖ brachte rund 80 Menschen zusammen, die Gemeinwohl nicht nur diskutierten, sondern erlebten – mit Workshops, Open Spaces, Kunst, Spiritualität und politischem Diskurs. Der Akteur*innenkreis Bildung wurde für seine Arbeit im Rahmen der UNESCO-Auszeichnung „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ geehrt – eine Anerkennung für jahrelanges Engagement.
Ein besonderer Moment war das 15-jährige Jubiläum der Gemeinwohl-Ökonomie in Wien. Stimmen aus dem ganzen DACH-Raum machten deutlich, wie stark die Bewegung gewachsen und wie relevant ihre Vision heute ist.

Danke & und eine Einladung
All das wäre ohne die vielen Ehrenamtlichen, Regionalgruppen, Unternehmen, Bildungsakteur*innen, Wissenschaftler*innen und Unterstützer*innen nicht möglich gewesen. 2025 war ein Jahr des Miteinanders, des Dranbleibens und des Gestaltens, zwar oft gegen Widerstände, immer mit Haltung.
Wer Teil dieser Bewegung ist, weiß: Gemeinwohl entsteht nicht von allein. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Wenn du 2026 nicht nur zuschauen, sondern mitgestalten willst, laden wir dich herzlich ein, Teil der Gemeinwohl-Ökonomie zu werden – als Mitglied, Aktive/e oder Unterstützer*in. Denn: Eine Wirtschaft für das gute Leben aller ist kein ferner Traum. Sie wächst Schritt für Schritt, gemeinsam.