Was bedeutet wirtschaftlicher Erfolg eigentlich – und für wen?
Dieser Frage widmete sich eine gemeinsame Veranstaltung der GWÖ-Regionalgruppe Landshut-Freising und der Hochschule Landshut. Gezeigt wurde der Dokumentarfilm PURPOSE, im Anschluss diskutierte das Publikum mit dem Regisseur Martin Oetting.

Nach 15 Jahren in der Werbebranche begann Martin Oetting zu zweifeln: Ist es in Zeiten der Plastikmüllkrise noch vertretbar, immer mehr Konsum anzukurbeln? Spätestens mit Brexit und der Wahl Donald Trumps wurde für ihn deutlich, dass wirtschaftliches Wachstum offenbar nicht automatisch zu Zufriedenheit führt. Das Bruttoinlandsprodukt wächst – selbst dann, wenn Umwelt, soziale Beziehungen und gesellschaftlicher Zusammenhalt leiden.
PURPOSE begleitet zwei Menschen, die sich international für ein Umdenken einsetzen: Katherine Trebeck, Mitbegründerin der „Wellbeing Economy Governments (WEGO)“, und Lorenzo Fioramonti, der später italienischer Bildungs- und Forschungsminister wurde. WEGO-Mitgliedsländer wie Schottland, Neuseeland, Island, Wales und Finnland fordern neue Maßstäbe für wirtschaftlichen Erfolg – mit Fokus auf Gesundheit, Bildung, soziale Gerechtigkeit und ökologische Nachhaltigkeit.
Die anschließende sehr lebhafte Diskussion wurde moderiert von Prof. Alexander Herzner. Am Podium diskutierten die Professor:innen Elisabeth Berger, Georg Ohmayer und Markus Schmitt sowie Floris Kleinn, Student des Masterstudiengangs Nachhaltigkeit und Transformation. Ein weiterer freier Stuhl wurde nach dem Fishbowl-Prinzip von wechselnden Teilnehmenden besetzt.
Auf die häufige Frage „Was kann ich als Einzelner schon bewirken?“ antwortete Martin Oetting klar: Es sind immer wieder einzelne Menschen, die Veränderung vorantreiben – entscheidend sei aber, sich zu vernetzen und gemeinsam auf gesellschaftlicher Ebene zu handeln. In diesem Zusammenhang wurde auch die Arbeit der „Gemeinwohlökonomie e.V.“ vorgestellt, die Unternehmen dazu ermutigt, ihre Gemeinwohlleistung zu messen und sichtbar zu machen – ein Ansatz, der inzwischen auch auf Kommunen ausgeweitet wird.
Besonders pointiert fiel Oettings Einschätzung seiner früheren Branche aus:
„Niemand lässt sich gerne von anderen sagen, was Sinn und Zweck seines Lebens ist. Aber die Werbebranche darf uns das tagein, tagaus lautstark ins Gesicht schreien.“
Nach dem offiziellen Teil wurde in kleinen Gruppen weiterdiskutiert. Die Veranstaltung ließ viele Fragen offen – und genau das war ihre Stärke:
Was ist der Sinn von Wirtschaft? Wie lässt er sich messen? Und wie können wir unsere Gesellschaft danach ausrichten?
Wer den Film PURPOSE selbst zeigen möchte, kann auch eine eigene Filmvorführung organisieren.
(siehe Bericht als PDF).