Vom 10. bis 12. Juni 2026 fand in Amberg die vierte Internationale Wissenschaftskonferenz der Gemeinwohl-Ökonomie (ECGIC) statt. Mehr als 150 Teilnehmende kamen zusammen, um Wissenschaft und Praxis miteinander zu verbinden und gemeinsam Perspektiven für eine gerechtere Zukunft zu entwickeln. Keynotes, parallele Sessions, Workshops und ein kulturelles Rahmenprogramm boten drei Tage lang Raum für Austausch und neue Impulse.

Ermöglicht wurde die Konferenz gemeinsam mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Amberg-Weiden, der Westböhmischen Universität Pilsen und dem Bayerischen Zentrum für Nachhaltigkeit in der Hochschullehre (BayZeN).

Die Gemeinwohl-Ökonomie bildete den inhaltlichen Mittelpunkt vieler Diskussionen – im Hauptauditorium ebenso wie in den parallelen Veranstaltungen. Die Keynotes beschäftigten sich unter anderem mit Eigentum, Vertrauen, der Zukunft des Gemeinwohls, ökologischer Landwirtschaft, Vermögenskonzentration und sozialen Grenzen sowie der Frage nach einem neuen Gesellschaftsvertrag. In Sessions und Workshops wurde diskutiert, wie Gemeinwohl-Ökonomie in unterschiedlichen Kontexten und Regionen umgesetzt werden kann – von Bildungssystemen und Kommunen über politische Rahmenbedingungen bis hin zur Privatwirtschaft.

Im Laufe der drei Konferenztage standen immer wieder die vier Grundwerte der Gemeinwohl-Ökonomie im Fokus: Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität und soziale Gerechtigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung. Sie zeigen, woran sich ein Wirtschaftssystem orientieren kann, wenn nicht Wachstum und Wettbewerb im Zentrum stehen.

Die Forscherin Anoek Tilburg betonte, wie wichtig es gerade heute sei, Menschen zu begegnen, die sich für ähnliche Werte einsetzen. „Es ist schön, mit mehr Menschen in den Austausch zu kommen, die die Wirtschaft so verändern wollen, dass sie tatsächlich den Menschen und der Natur dient. Die Wirtschaft beeinflusst viele unserer Entscheidungen – und wir können mit dem bisherigen Paradigma nicht weitermachen.“

Auch Kazuko Hikawa vom japanischen ECOnGOOD-Verband nahm an der Konferenz teil. Für sie unterstrichen die Diskussionen die Dringlichkeit gemeinschaftlich getragener Entscheidungsprozesse, etwa durch Bürger*innenräte. „Individualismus und Wettbewerb sind zentrale Gründe dafür, warum wir das vorherrschende System nicht verändern können. Ich hoffe, dass wir eine Welt schaffen können, die nicht auf Wettbewerb, sondern auf Kooperation basiert.“

Sophie Friedl von der Gemeinwohl-Ökonomie Deutschland sieht im Modell der GWÖ einen möglichen Weg, unser Wirtschaften neu zu gestalten: „Die Verbindung von Demokratie, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Nachhaltigkeit in einem Modell ergibt für mich Sinn.“

Neben wirtschaftlichen Fragen zog sich das Thema Klima wie ein roter Faden durch die Konferenz. Dabei wurde es nicht nur als Herausforderung diskutiert, sondern auch als Ausgangspunkt für die Frage, wie wir wirtschaftlichen Erfolg jenseits des Bruttoinlandsprodukts messen können. Antoinette Weibel betonte in ihrer Keynote, dass wir zunächst das soziale Gefüge wieder stärken müssten, bevor wir das ökologische Gefüge erneuern können. Auch Dirk Philipsen, Alma Spribille und Lewis Akenji rückten Transparenz als zentrale Voraussetzung für mehr Gerechtigkeit in den Fokus.

Den Abschluss der Konferenz bildete die Keynote von ECOnGOOD-Mitbegründer Christian Felber. Unter dem Motto „TAPAS – there are plenty of alternatives“ machte er deutlich, dass zahlreiche Lösungsansätze bereits vorhanden sind. Felber lud die Teilnehmenden zu einer simulierten Volksabstimmung ein: Sie konnten darüber entscheiden, wie groß der maximale Unterschied zwischen Mindest- und Höchsteinkommen sein sollte, um Vermögenskonzentration und Ungleichheit zu begrenzen.

Für José Carlos Ramos, Koordinator für Wissenschaft und Forschung bei ECOnGOOD, war eine der zentralen Erkenntnisse der Konferenz die Notwendigkeit, die negativen externen Effekte bestimmter Geschäftspraktiken sichtbar zu machen. Inspiriert von den Beiträgen von Thomas Lang und Sigrid Stagl formulierte er: „Als Bürger*innen sollten wir entscheiden können, ob wir den tatsächlichen Preis nachhaltiger Produkte im Geschäft bezahlen oder über unsere Steuern für die Beseitigung der Folgen dieser externen Effekte aufkommen.“

Die ECGIC 2026 hat neue Partnerschaften ermöglicht, unterschiedliche Perspektiven zusammengebracht und gezeigt, welche wichtige Rolle die Gemeinwohl-Ökonomie bei der Gestaltung einer Wirtschaft spielen kann, die tatsächlich den Menschen und dem Planeten dient.