Konferenz GWU network am 7.9.2026 in Berlin

Eigentum neu denken, Verantwortung teilen, Ressourcen gemeinsam nutzen: Bei der Konferenz des guten Wirtschaftens Berlin-Brandenburg am 7. September ging es um konkrete Wege zu einer gemeinwohl-orientierten Unternehmenspraxis. Das GWU-Netzwerk Berlin-Brandenburg brachte dafür Unternehmen und weitere Akteur*innen zusammen – zum Erfahrungsaustausch, zum Weiterdenken und zur Entwicklung neuer Kooperationen.

Wie unterschiedlich die Ansatzpunkte sein können, zeigte das Programm. Die GWÖ-Berater*innen Urte Töpfer und Toni Hassenmeier stellten die Gemeinwohl-Bilanz als Instrument vor, mit dem Unternehmen nicht nur ihren Status-quo erfassen, sondern auch ihre Organisation weiterentwickeln können. Der Bilanzierungsprozess fördert zudem den Austausch mit anderen werteorientierten Unternehmen und kann neue Kooperationen anstoßen.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Eigentum und Mitbestimmung. Matthias Kasper von Humanistic Management Practices zeigte, wie Eigentumsstrukturen beeinflussen, wer über Zweck, Investitionen, Gewinnverwendung oder Arbeitsbedingungen entscheidet. Diskutiert wurden Modelle wie Verantwortungseigentum, Genossenschaften und Unternehmensräte. Entscheidend ist dabei nicht allein die Rechtsform: Gemeinwohl-Orientierung und Beteiligung müssen im Unternehmensalltag tatsächlich gelebt werden.

Wie das in der Praxis aussehen kann, berichtete Felix Wasmuth, Geschäftsführer der Berliner Bio-Bäckerei Märkisches Landbrot. Das Unternehmen gehört einer gemeinnützigen Stiftung; ein Stiftungsrat übernimmt die strategische Verantwortung und sichert die langfristige Ausrichtung.

Weitere Impulse öffneten den Blick auf Themen, die Unternehmen zunehmend beschäftigen. Dr. André Ullrich vom Weizenbaum-Institut stellte die Idee gemeinschaftlicher Rechenzentren vor. Unternehmen könnten Infrastruktur und Kosten teilen und so insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen Zugang zu leistungsfähiger Rechen- und KI-Infrastruktur ermöglichen – bei größerer digitaler Souveränität und regionaler Wertschöpfung.

Feline Tecklenburg von Wirtschaft ist Care rückte dagegen die oft unsichtbare Sorgearbeit in den Mittelpunkt. „Sorgende Betriebe“ berücksichtigen beispielsweise Pflegeverantwortung, Familie oder andere Care-Aufgaben ihrer Mitarbeitenden stärker bei Arbeitsorganisation und Personalpolitik.

Im Open Space brachten die Teilnehmenden schließlich eigene Themen ein. Vom Teilen von Ressourcen über gemeinwohl-orientierte KI und Wohnungsbau bis zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen war einiges dabei. Damit wurde die Konferenz selbst zu dem, was das GWU-Netzwerk dauerhaft ermöglichen möchte: einem Ort für Austausch, gegenseitiges Lernen und neue Kooperationen zwischen gemeinwohl-orientierten Unternehmen.

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Foto Credits: Jule Roehr