„Impact AI“ – ein Jahr Projektarbeit: Wie KI messbar zum Gemeinwohl beitragen kann

Künstliche Intelligenz verändert Wirtschaft und Gesellschaft rasant. Doch wie lässt sich ihr Beitrag zu Gemeinwohl und Nachhaltigkeit systematisch bewerten?

Impact AI – Rückblick auf das erste Projektjahr

Mit dem offiziellen Projektstart am 1. Januar 2025 begann für „Impact AI“ die fünfjährige Forschungsphase zur Entwicklung einer wissenschaftlich fundierten Audit-Methode für KI-Anwendungen im Kontext von Gemeinwohl und Nachhaltigkeit. Seitdem arbeitet das Team des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) in der Projektleitung gemeinsam mit Greenpeace und der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) als Transferpartner in einem transdisziplinären Forschungsvorhaben daran, den gesellschaftlichen Impact von KI-Systemen systematisch bewertbar zu machen.

Zielsetzung und methodischer Ansatz

Impact AI entwickelt über den Projektverlauf eine öffentlich zugängliche Methode zur Auditierung von Projekten, die KI-Systeme einsetzen um einen Beitrag zum Gemeinwohl und zur Nachhaltigkeit zu leisten. Dabei erfolgt die Bewertung anhand von sozial-ökologischen und ökonomischen Kriterien zusammen mit Governance-Aspekten entlang des KI-Lebenszyklus – von Planung und Design über Daten und Modelle bis hin zu Einsatz und Nutzung.

Ziel ist es, nicht nur positive Wirkungen sichtbar zu machen, sondern auch Zielkonflikte, Risiken und Nebenwirkungen transparent zu analysieren. Damit soll ein praktikables Instrument entstehen, das Organisationen, Entwickler und Auditoren dabei unterstützt, KI verantwortungsvoll und gemeinwohl-orientiert einzusetzen.

Entwicklung der „Impact AI Audit-Matrix“

Ein zentraler Meilenstein 2025 war die Erarbeitung einer ersten Version der „Impact AI Audit-Matrix“, die durch die GWÖ-Matrix inspiriert wurde. Die Bewertungskriterien gliedern sich in fünf Themenfelder, die entlang des KI-Entwicklungszyklus abgefragt werden.

  • Governance
  • Transparenz und Partizipation
  • Soziale Nachhaltigkeit
  • Ökologische Nachhaltigkeit
  • Ökonomische Nachhaltigkeit

Dabei gründet die Matrix auf einer fundierten wissenschaftlichen Methodik ebenso wie auf umfangreichen Erfahrungen aus der Gemeinwohl-Bilanzierung und weiteren bestehenden Bewertungsansätzen. Die Methode versteht sich als integrativer Ansatz, der wissenschaftliche Fundierung mit praktischer Anwendbarkeit verbindet.

Fokusthema 2025: KI und Demokratie

Im fünfjährigen Projektverlauf werden insgesamt 15 Anwendungsfälle aus fünf Themenfeldern untersucht. Um Vergleichbarkeit zu ermöglichen, wird pro Jahr ein Fokusthema mit jeweils drei KI-Projekten bearbeitet.

Für das erste Projektjahr wurde im Konsens das Themenfeld „Demokratie“ gewählt. Untersucht werden KI-Anwendungen, die – entsprechend ihrer jeweiligen Zielsetzung – zur Stärkung demokratischer Prozesse beitragen wollen, etwa im Bereich Faktenprüfung oder Partizipation.

Im Oktober 2025 wurde die Audit-Methode erstmals praktisch getestet – bei den Projekten „Full Fact“ in London und „Talk to the City“ in Taiwan. Die Interviews verliefen erfolgreich und lieferten wertvolle inhaltliche Impulse sowie methodisches Feedback. Damit konnte die Praxisphase planmäßig gestartet werden.

Einrichtung des Project Council

Zur wissenschaftlich-methodischen Begleitung wurde 2025 der Impact AI Project Council (Beirat) gegründet. Er vereint elf führende Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis mit unterschiedlichen disziplinären Hintergründen – von Recht und Menschenrechten über Nachhaltigkeit und Wirtschaft bis hin zu Technologie und Governance.

Das erste Online-Treffen im September 2025 zeigte bereits die hohe fachliche Tiefe und Vielfalt der Perspektiven. Diskutiert wurden unter anderem methodische Fragen sowie die „Theory of Change“ des Projekts – also das Wirkungsmodell, das die angestrebten gesellschaftlichen Veränderungen strukturiert beschreibt.

Den Höhepunkt des ersten Projektjahres bildete das Live-Treffen des Council Anfang Februar 2026 in Berlin. In intensiven Workshops wurden erste Forschungsergebnisse, methodische Ansätze, regulatorische Bezüge (u. a. zur KI-Regulierung) sowie das technische Audit kritisch diskutiert. Die vielfältigen Perspektiven der Expert*innen lieferten substanzielles Feedback und Impulse für die Weiterentwicklung der Methode.

Rolle der GWÖ im Projekt

Die GWÖ bringt ihre langjährige Erfahrung in der Gemeinwohl-Bilanzierung von Unternehmen, Organisationen und Kommunen ein. Insbesondere die werte- und berührungsgruppenbasierte Logik der Gemeinwohl-Matrix sowie praktische Expertise in Auditierung und Wirkungsanalyse leisten einen wichtigen Beitrag zur Operationalisierung der Methode. Im weiteren Projektverlauf sollen GWÖ-erfahrene Praktiker*innen eingebunden werden, zudem sind verschiedene Veranstaltungen zur Multiplikation der Projektergebnisse geplant.

Ausblick

Mit der entwickelten ersten Version der Audit-Methode, dem erfolgreichen Start der Fallstudien und der aktiven Einbindung des Project Council ist das Projekt fachlich fundiert und strukturell stabil in die Forschungsphase gestartet.

Für das zweite Projektjahr 2026 wurde das Fokusthema „Naturschutz / Biodiversität“ ausgewählt. Nach dem gesellschaftlichen Themenfeld „Demokratie“ folgt damit ein ökologischer Fokus. Im Projektverlauf wird die Audit-Methode iterativ weiterentwickelt und geschärft.

Impact AI leistet damit einen konkreten Beitrag zur gemeinwohl-orientierten digitalen Transformation: Durch ein transparentes, wissenschaftlich fundiertes Bewertungsinstrument wird der gesellschaftliche Nutzen von KI-Systemen messbar – und verantwortungsvolle Innovation gezielt gestärkt.

Bleib informiert!

Alle Projektpartner werden regelmäßig über den Fortschritt berichten – sei es auf Veranstaltungen, in partizipativen Formaten oder über Blogbeiträge. Wir laden Interessierte herzlich ein, sich einzubringen und gemeinsam eine verantwortungsvolle Nutzung von KI mitzugestalten.

Mehr Informationen und Kontakt: rolf.sohrmann@econgood.org

Fotocredits: GWÖ DE. Foto vom Live-Treffen des Projekt-Council beim HIIG in Berlin, Februar 2026 (v.l.: Jonathan Niesel, Anna Colom, Theresa Züger, Alois Krtil, Laura State, Steffen Lange, Rikke Frank Jørgensen, Rolf Sohrmann, Mireille Hildebrandt, Sadiem Youssef, Lena Winter, Jobst Heitzig, Lynn Kaack, Karen O’Brien)