Wie Wandel in eine gute Richtung weiter gelingt (#KDGW2026)

Anfang Februar fanden sich in Nürnberg wieder über 120 Akteur*innen aus der bayerischen Wirtschaft ein, um diverse Beispiele guten Wirtschaftens zu würdigen und die Frage zu diskutieren, wie Wandel in eine gute Richtung heutzutage noch gelingen kann.

Nürnberg, 06. Februar 2026 – „Veränderung willkommen? Wie Wandel gelingen kann“. Unter diesem Motto diskutierten Expert*innen aus Real- und Finanz-Wirtschaft, Politik und Wissenschaft im Rahmen der diesjährigen „Konferenz des guten Wirtschaftens“ ausgiebig. Den Einstieg hierfür machte Transformationsforscher Prof. Dr. André Reichel mit kurzweiligen Impulsvortrag. Zuvor würdigte die Gemeinwohl-Ökonomie Bayern über 45 Unternehmen aus 6 der 7 Regierungsbezirke Bayerns sowie eine Gemeinde für ihre Gemeinwohl-Bilanzierung im Jahr 2025 – siehe Tabelle/Liste untenstehend.

Ins „Scheinwerferlicht“ gerückt und dem Plenum – von Xenia Schmidt als Moderatorin der Würdigung – umfassend vorgestellt wurden am 5. Februar alle angereisten Vertreter*innen von 33 gemeinwohl-bilanzierten Unternehmen und der Marktgemeinde Postbauer-Heng. Nachdem diese wiederum dem Plenum ihre jeweils wichtigste Erkenntnis aus ihrer Gemeinwohl-Bilanzierung mitgeteilt hatten, erhielten sie von Simone Spangler als Vorstandsmitglied des Gemeinwohl-Ökonomie Bayern e.V. eine Urkunde aus handgeschöpftem Papier und von den Gästen viel Applaus für diese Leistung.

Im Anschluss an die Würdigung formulierte Transformationsforscher Prof. Dr. André Reichel als Keynotespeaker seine Analyse zur Ausgangslage und darauf basierende Empfehlungen für die Transformation in eine wünschenswerte Richtung heutzutage – und zwar unter dem Titel „Beyond Consensus: Transformation zwischen Konflikt und Kooperation“ – siehe ggfs. Keynote-Präsentation und einen kurzen Essay ganz unten und/oder einfach nachfolgenden Versuch einer Zusammenfassung:

Transformation mit Gegenwind

In seiner Keynote zeichnete der Transformationsforscher Prof. Dr. André Reichel ein Bild der Gegenwart als konflikthafte Polykrise. Geopolitische Spannungen, soziale Polarisierung, ökologische Kipppunkte und ökonomische Unsicherheiten verdichten sich zu einer Situation, in der Zeitfenster für Entscheidungen schrumpfen und Handlungsspielräume enger werden. Transformation vollzieht sich nicht mehr im Schutz stabiler Rahmenbedingungen, sondern unter hohem Druck – und ist damit zwangsläufig politisch und konfliktträchtig.

Vor diesem Hintergrund plädierte Reichel für einen Abschied von der Vorstellung, Wandel könne nur gelingen, wenn alle Beteiligten dieselben Werte, Interessen und Motive teilen. Konsens, so seine These, wird unter heutigen Bedingungen zunehmend zur Bremse. Wer auf vollständige Zustimmung wartet, riskiert Stillstand.

Koalitionen der Willigen statt Gesinnungsgemeinschaften

Als alternative Transformationslogik stellte Reichel das Konzept der „Koalitionen der Willigen“ vor. Gemeint sind handlungsfähige Allianzen von Akteuren, die trotz unterschiedlicher Motive bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam zu handeln. Entscheidend ist nicht die moralische Übereinstimmung, sondern die Fähigkeit zur Kooperation, zur Transparenz und zum Lernen.

Diese Logik hat Konsequenzen für Führung und Entscheidungsfindung. Führung bedeutet unter Bedingungen von Unsicherheit, Entscheidungen zu treffen, ohne vorherige Mehrheitsgarantie – vorläufig, überprüfbar und revidierbar. Transformation wird damit experimentell. Nicht Perfektion, sondern Lernfähigkeit wird zum Maßstab für Fortschritt.

Die Gemeinwohl-Ökonomie beschrieb Reichel in diesem Zusammenhang als einen geeigneten Lern- und Rechenschaftsrahmen: nicht als moralische Instanz von außen, sondern als Verfahren, das Kooperation trotz Dissens ermöglicht und Fortschritte sichtbar und korrigierbar macht. Sein prägnantes Schlusswort brachte die Haltung auf den Punkt: Fortschritt entsteht dort, wo Verantwortung übernommen wird – nicht dort, wo Zustimmung abgewartet wird.

Die anschließende Debatte griff diese Thesen auf und spiegelte sie in konkreten Praxisfeldern. Moderiert von Violetta Paprotta entwickelte sich unter Einbindung von Fragen aus dem Plenum ein vielstimmiger Austausch zwischen Roman Huber (Mitgestalter Schloss Tempelhof; Bundesvorstand, Mehr Demokratie e.V.), Toni Wiegler (Umweltkoordinator) und Lisa-Cathrin Leitner (Projektmanagerin nachhaltige Materialentwicklung, beide jeweils von der ESN Deutsche Tischtennis Technologie GmbH), Georg Schürmann (Aufsichtsrat, Umweltbank; Stellv. Vorsitzender Nachhaltigkeitsausschuss, IHK Frankfurt) sowie Angelika Herrmann und Gabriele Bayer (2. und 3. Bürgermeister, Markt Postbauer-Heng – in krankheitsbedingter Vertretung für Horst Kratzer, 1. Bürgermeister) und allen anwesenden Interessierten.

Resonanzraum: Erfahrungen aus Kommune, Real- und Finanz-Wirtschaft und Zivilgesellschaft

Die Bürgermeisterinnen aus dem Markt Postbauer-Heng betonten die Handlungsfähigkeit von Kommunen, wenn Verantwortliche Mut zum Experiment haben und regelmäßigen Austausch auf Augenhöhe pflegen. Anhand eines gescheiterten Projekts zur Einführung eines Lastenfahrrad-Mietsystems machten sie deutlich, dass Wandel nicht planbar ist und auch Rückschläge Teil des Lernprozesses sein müssen. „Heiter scheitern“ wurde dabei als Haltung beschrieben, die Offenheit und Resilienz fördert.

Aus Unternehmensperspektive schilderten Toni Wiegler und Lisa-Cathrin Leitner, wie sich nachhaltige Transformation in der Unternehmenspraxis verankern lässt: durch kontinuierliche Schulungen, frühzeitige Absicherung von Lieferketten und eine Unternehmenskultur, die Sinn- und Hoffnungsfragen ernst nimmt. Nachhaltiges Handeln wurde dabei weniger als Reaktion auf Regulierung verstanden, sondern als strategische und kulturelle Entscheidung.

Roman Huber lenkte den Blick auf Bürgerbeteiligung und demokratische Prozesse. Gute Absichten allein reichten nicht aus; entscheidend sei die Qualität des Dialogs. Bürgerbeteiligung könne kollektive Intelligenz freisetzen, aber auch scheitern. Formate, die Perspektivwechsel ermöglichen und Emotionen Raum geben, seien daher zentral – gerade in Zeiten von Angst und Verunsicherung.

Georg Schürmann ergänzte diese Perspektiven um die Rolle von Finanzierungsinstrumenten. Nachhaltigkeitsberichterstattung und transparente Kriterien könnten helfen, Innovationen gezielt zu ermöglichen und Kapital in zukunftsfähige Projekte zu lenken. Bürgerbeteiligung und wirtschaftliche Transformation seien dabei keine Gegensätze, sondern aufeinander angewiesen.

Fazit: Verantwortung, Dialog und Lernfähigkeit

In der Zusammenschau wurde deutlich: Transformation unter heutigen Bedingungen verlangt keinen harmonischen Gleichschritt, sondern tragfähige Kooperationen im Dissens. Konstruktiver Dialog auf Augenhöhe, Transparenz gegenüber betroffenen Gruppen, reale Mitgestaltungsmöglichkeiten und eine wertschätzende Fehlerkultur bilden die Grundlage dafür, Vielfalt produktiv zu nutzen.

Nicht alle müssen überzeugt sein – aber einige müssen vorangehen. Wandel gelingt dort, wo Verantwortung übernommen, Risiken geteilt und Entscheidungen als lernfähig verstanden werden. In einer konfliktreichen Gegenwart ist Stillstand oft die riskantere Option.

ForStory begleitete wie schon in den Vorjahren die KDGW mit Foto und Film vor Ort, dieses Jahr in den Räumlichkeiten der Evenord eG, während Erik Stenzel erstmals das Highlight-Event der GWÖ Bayern musikalisch mit seinen drei Songs Happy Birthday, Aufgaben und Taten und Freischwimmer rahmte.

Dankesworte von Vorstandsmitglied Lisa Gebler an alle Unterstützer*innen (insbesondere an die Evenord-Bank eG-KG für die Vermittlung und Bereitstellung der Räumlichkeiten und Heißgetränke über ihre Muttergesellschaft Evenord eG, die Neumarkter Lammsbräu und Brauerei Gutmann für diverse Kaltgetränke sowie das Sozialunternehmen Estragon fürs Catering), an alle Mitwirkenden und das achtköpfige Orgateam markierten den Übergang ins abschließende Get-together.

Nachfolgend finden sich einige Stimmen zur #KDGW2026, eine kleine Auswahl der 285 Fotos und weiterführende Links sowie die Liste der Gewürdigten:

  • „Es war schön, die Vielfalt der (…) Institutionen zu erleben. Die Stimmung war sehr positiv, locker und natürlich. Zeit für Vernetzung und Impulse. Das Catering sehr fein. Alles in allem für mich eine runde Veranstaltung, an der ich gern teilgenommen habe.“
  • „Spannend zu sehen, dass die Branchenvielfalt so groß ist. GWÖ ist der notwendige Schritt in die richtige Richtung; alle sollten sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen.“
  • „Die KDGW zeigt, dass es für jede Institution möglich ist, eine Gemeinwohl-Bilanz zu erstellen. Sie ist ein Kompass, der durch unsichere Zeiten trägt und für die Zukunft resilienter macht.“
  • „Durch die Bilanz erhält man einen ehrlichen Überblick über das eigene Unternehmen: Wo läuft es wirklich gut und wo nicht? Die Bilanz hilft bei der strategischen Weiterentwicklung.“
  • „Die GWÖ ist eine gute Plattform, um sich untereinander zu vernetzen und auszutauschen, denn es geht nur gemeinsam.“

Weiterführende Links:

Gemeinwohl-Bilanzierende Unternehmen im Jahr 2025:

NameBrancheLandkreisGemeinwohl-Bilanz
Aktion Eine Welt e.V.Handel / KonsumRhön-Grabfeld a.d.S.Gemeinwohl-Bilanz
Alpsee-Grünten Tourismus GmbHTourismus / GastronomieOberallgäuGemeinwohl-Bilanz
AWO Kreisverband Landshut e. V.Gesundheit / SozialesLandshut (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
bio verlag GmbHMedienAschaffenburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
BLANK_CANVASBeratung / ConsultingMiesbachGemeinwohl-Bilanz
Braun Steinmetz GmbH & Co. KGHandwerk LandshutGemeinwohl-Bilanz
Cara hoch7 ImmobilienImmobilien / Facility MgmtMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
CIMA Beratung + Management GmbHBeratung / ConsultingMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
coeno GmbHEDV / ITMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Congress-Tourismus-WürzburgÖffentliche VerwaltungWürzburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Das Helden AtelierBeratung / ConsultingAichach-FriedbergGemeinwohl-Bilanz
DAVID Systems GmbHEDV / ITMünchen (Kreisfreie Stadt)Wird nachgereicht alsbald in Datenbank hinterlegt
Daxauer Landschaftspflege e.K.DienstleistungLandshutGemeinwohl-Bilanz
Enerbasics* PartnerschaftsgesellschaftBeratung / ConsultingMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
ESN Technology Group GmbHIndustrieHaßbergeGemeinwohl-Bilanz
FT München-Gern e.V.Sport / Fitness / BeautyMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Goldhofer AktiengesellschaftIndustrieMemmingen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Heiko Helmbrecht - Software EngineeringEDV / ITLandshut (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
HNO-Praxis Dr. med. Ioannis CharalampakisGesundheit / SozialesLandshut (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
iCONDU GmbHBeratung / ConsultingIngolstadt (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
SPINDLER Dachdeckerei-Spenglerei GmbHHandwerkIngolstadt (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
IFUB GmbHBaugewerbe / ArchitekturMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
InHoGa gGmbHTourismus / GastronomieAugsburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Jochen Siebel UnternehmensberatungBeratung / ConsultingLandsberg am LechGemeinwohl-Bilanz
Lutra Security GmbHEDV / ITMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Markt Postbauer-HengÖffentliche VerwaltungNeumarkt in der OberpfalzWird nachgereicht alsbald in Datenbank hinterlegt
Museum im Kulturspeicher (MiK) WürzburgÖffentliche VerwaltungWürzburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
netzvitamine GmbHBeratung / ConsultingOberallgäuGemeinwohl-Bilanz
Neumarkter Lammsbräu Handel / KonsumNeumarkt in der OberpfalzGemeinwohl-Bilanz
Projekt 29 GmbH & Co. KGBeratung / ConsultingRegensburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Radius UGVerkehr / Transport / LogistikWürzburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Raum-K GmbHEnergiewirtschaftMemmingen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Realizing Progress GmbH & Co. KGBeratung / ConsultingMiesbachGemeinwohl-Bilanz
Regensburg Tourismus GmbHTourismus / GastronomieRegensburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
SÄBU Holzbau GmbHBaugewerbe / ArchitekturOstallgäuGemeinwohl-Bilanz
Sempact AGBeratung / ConsultingLandsberg am LechGemeinwohl-Bilanz
Solar for Schools Bildung gGmbHBildungMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Solnomics UGEnergiewirtschaftStarnbergGemeinwohl-Bilanz
Sound Neverrest UG (haftungsbeschränkt)MedienMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Stadt Würzburg, FB KulturÖffentliche VerwaltungWürzburg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Stadtwerke Neumarkt i.d.OPf. Energie GmbHEnergiewirtschaftNeumarkt in der OberpfalzGemeinwohl-Bilanz
Stadtwerke Neumarkt i.d.OPf. Freizeit & Leben KUDienstleistungNeumarkt in der OberpfalzGemeinwohl-Bilanz
Steuerberatungsgesellschaft Czeczatka, Werner & PartnerSteuerberatungAußerhalb BayernsGemeinwohl-Bilanz
Stoll Gruppe GmbHElektro / ElektronikOberallgäuGemeinwohl-Bilanz
Supervision AignerBeratung / ConsultingMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Thomas Mönius - GemeinwohlberaterBeratung / ConsultingNürnberg (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
Vision11 GmbHBeratung / ConsultingMünchen (Kreisfreie Stadt)Gemeinwohl-Bilanz
VR Bank Starnberg-Herrsching-Landsberg eGFinanzenStarnbergGemeinwohl-Bilanz