Zivilgesellschaft macht sich auf

Zukunftsforum „Wohnen – sozialgerechte Energiewende“

Es war ein sehr gut besuchtes Zukunftsforum der AktiKo.5 am 18. April im Lerchenfeld-Gymnasium.

Sprecher*innen des Umweltsenats (BUKEA) stellten eingangs den Entwurf des Wärmeplans der Stadt vor. Er gibt eine Orientierung, wie Hamburgs Wohngebäude bis 2040 klimaneutral werden sollen, ist aber nicht rechtsverbindlich. Er zeigt die Handlungsmöglichkeiten für Wohnungseigentümer*innen und Gesellschaften auf, insbesondere welche regenerativen Quellen für die zukünftige Heizenergie in ihrer jeweiligen Umgebung zur Verfügung stehen. Wobei eingestanden wurde, dass geothermische Energiequellen in HH bisher wenig untersucht sind.

In der anschließenden Diskussion wurde zunächst skeptisch festgestellt, dass die Fernheizsysteme stark ausgebaut werden. Die Hamburger Energiewerke werden aber erklärtermaßen bis 2040 – also nach der Ablösung der Kohlekraftwerke in Wedel und Tiefstack – durch sog. Energieparks immer noch etwa zur Hälfte fossile Energieträger nutzen. Außerdem häuft sich durch die zu erwartenden Preissteigerungen zunehmend sozialer Explosivstoff an. Schon heute ist Wärme aus Fernheizungen durchschnittlich um mehr als 50% teurer als aus lokalen Wärmepumpen (Quelle: der Jährliche Heizspiegel von CO2-online). Und die SAGA, in deren – oft schlecht gedämmtem – Wohnungsbestand vielfach die weniger gut betuchten Mitbürger*innen wohnen, will 70% ihrer Gebäude an die Fernwärme anschließen.

An einem zweiten Thementisch wurden deshalb lokale Alternativen der Wärmeversorgung diskutiert, die aus der verfügbaren Umgebungswärme (Luft, Wasser, Abwasser, Boden) gewonnen wird. Am bekanntesten sind Luftwärmepumpen. Daneben gibt es viele andere Optionen mit der Entwicklung von Niedrigtemperatur-Nahwärmenetzen. Die Herausforderungen sind weniger technischer Natur, sondern vor allem das Zusammenfinden von Nachbarschaften und ganzen Quartieren zu gemeinsamer Wärmeversorgung. In Hamburg ist bisher erst eine Initiative zur gemeinschaftlichen Wärmeversorgung, nämlich die Steenkamp-Siedlung, bekannt. Aber der Wärmeplan von BUKEA weist große Stadtgebiete aus, in denen nicht auf Fernwärme gesetzt werden kann.

Wie wichtig die Initiative von Hauseigentümer*innen ist, wurde etwa zeitgleich im Stadtzentrum demonstriert – gegen die Energiepolitik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die von Lobbyinteressen getrieben, Deutschland offenbar in eine Gaskostenfalle führen will.

Im Forum wurde abschließend vereinbart, dass es durch ein digitales Forum fortgesetzt werden soll. Dadurch soll der Austausch von know-how, die weitere Vernetzung und Verabredung von gemeinsamen Aktionen erleichtert werden. Vertreter von GWÖ und German Zero HH wollen dieses digitale Forum bis Ende Mai online stellen.

Die Projektgruppe ‚Stadtwirtschaft stärken’ der GWÖ-Regionalgruppe weitet ihre Aktivitäten auf den Bereich der regenerativen Wärmeversorgung aus.
Wir sind unter der Mail-Adresse FairerWohnstrom@econgood.org zu erreichen – und freuen uns auf neue Mitstreiter*Innen.

Text: Mick Petersmann
Foto: Heinz Brossolat