PM: Lieferkettensorgfalt und Nachhaltigkeitsberichterstattung neu denken

Einfacher, aber wirksamer: Ein Vorschlag der Gemeinwohl-Ökonomie zum EU-Omnibus

Die aktuelle Debatte um den sogenannten „Omnibus“ zum Green Deal der EU zeigt ein zentrales Problem europäischer Nachhaltigkeitspolitik: Statt Vereinfachung mit Wirkung droht ein Rückschritt. Mit der geplanten Abschwächung von Lieferkettensorgfaltspflichten, Nachhaltigkeitsberichterstattung und EU-Taxonomie verlieren zentrale Instrumente des Green Deals an Substanz. Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) schlägt deshalb eine grundlegende Richtungskorrektur vor.

Derzeit stehen sich zwei Extreme gegenüber: Auf der einen Seite komplexe Regelwerke, die viele Unternehmen überfordern, auf der anderen Seite Deregulierung, die Schutzstandards aushöhlt. Die GWÖ zeigt, dass es einen dritten Weg gibt: schlank, integriert und wirksam.

Drei Instrumente, ein integrierter Ansatz

Die drei zentralen Instrumente des Green Deals: EU-Taxonomie, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Lieferkettensorgfaltspflichten könnten zu einem einzigen, konsistenten Instrument zusammengeführt werden. Genau das wird in der Gemeinwohl-Bilanz bereits seit Jahren praktiziert. Über 1.400 Unternehmen und Organisationen wenden sie freiwillig an.

Die Gemeinwohl-Bilanz ist eines der ambitioniertesten Nachhaltigkeits-Tools im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitet mit einer quantitativen Bewertung in Gemeinwohl-Punkten und schafft damit Transparenz sowie Anreize für gute ökologische und soziale Leistungen. Lieferkettenverantwortung ist dabei integraler Bestandteil: In der ersten Stakeholder-Zeile der Gemeinwohl-Matrix werden Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung entlang der gesamten Lieferkette bewertet.

Auch die Zielsetzung der EU-Taxonomie ist in der Gemeinwohl-Bilanz angelegt. Sie prüft sowohl die Sinnhaftigkeit der Produkte und Dienstleistungen als auch deren soziale und ökologische Wirkungen. Damit verbindet sie wirtschaftliche Tätigkeit konsequent mit gesellschaftlichem Nutzen.

Unternehmen sind weiter als die Politik

Zahlreiche Unternehmen zeigen bereits heute, dass umfassende Lieferkettenverantwortung möglich ist – freiwillig und ohne gesetzliche Pflicht. Das österreichische Unternehmen SONNENTOR etwa versteht Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette als Teil seiner Identität. Auch followfood aus Deutschland kritisiert, dass die aktuelle Omnibus-Entscheidung nicht die Realität vieler Unternehmen widerspiegelt, die längst an wirksamen Lösungen arbeiten.

Aus Sicht der GWÖ Deutschland ist klar: Eine Abschwächung zentraler Instrumente des Green Deals ist ein fatales Signal. Sprecherin und Vorstandsmitglied Jutta Hieronymus warnt davor, dass damit nicht nur europäische Ziele, sondern auch globale Bemühungen für faire, sozial gerechte und ökologische Wirtschaftsweisen untergraben werden.

Die Gemeinwohl-Ökonomie plädiert daher für intelligente Vereinfachung statt Entkernung: weniger Bürokratie, aber mehr Wirkung – im Sinne von Menschenrechten, Umwelt und einer zukunftsfähigen Wirtschaft.

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