Nachhaltigkeitswerkstatt in der Handelskammer / Hamburg Sustainability Week

Podiumsgäste v.l.n.r.: Mick Petersmann (Moderation), Silke Bainbridge Nott (VNW), Dr. Rolf Bosse (Mieterverein), Meike Pudlatz (Moderation)

Das hat Mut gemacht!

Fairer Klimaschutz in Mehrfamilienhäusern

Die GWÖ Projektgruppe „Stadtwirtschaft stärken“ hatte in Kooperation mit Christian Warsch (WDM Assett Service & Immobilien GmbH) Präsentationen von 6 Projekten der sozialgerechten Energiewende in Mehrfamilienhäusern eingeladen. Die meisten Hamburger*innen leben in Mehrfamilienhäusern. Wohnen verursacht etwa 40 % aller CO2-Emissionen.

Welche Lösungen gibt es?

Christian Warsch erläuterte sein Pilotprojekt: Balkonkraftwerke für jede Mietpartei auf dem Dach seines MFH und nennt sechs Schritte für Vermieter*innen zum ‚Fairen Wohnstrom‘ und entsprechend zufriedene Mietende.

Dr.-Ing. Christian Warsch

Heino Behrmann berichtete aus Mietersicht von der energetischen Sanierung seiner Wohnanlage (Hanseatische Baugenossenschaft Hamburg eG). Seit Februar d.J. habe er die Heizung nicht mehr andrehen müssen. Da die HBH die Kaltmiete nicht erhöht hat, erwartet er eine sinkende Warmmiete.

Reenie Vietheer, Averdung Ingenieure und Berater GmbH, erläuterte die komplexen Schritte der Projektierung einer regenerativen Nahwärmeversorgung für ein ganzes Quartier in Langenhorn. Die Schiffszimmerer eG hat inzwischen stellvertretend für die beteiligten Hauseigentümer*innen den Auftrag erteilt, das Vergabeverfahren für die Realisierung zu managen. Eine wichtige Erfahrung sei, von Anbeginn möglichst viele lokale Akteur*innen aus Wohnungswirtschaft und Stadtteil- wie bezirklichen Gliederungen einzubeziehen.

Jan Frehse, Mitglied einer Erbengemeinschaft, stellte die auf 7 Jahre angelegte energetische Sanierung von 5 Mehrfamilienhäusern in Lohbrügge vor, mit nachfolgender PV-Installation und Ersatz von Gasheizung durch Wärmepumpen. Er berichtete, wie sie sich mit Unterstützung der Hausverwaltung durch den Förderdschungel bewegten, um einen Zuschuss von etwa 25 % zu erwirken. Am Ende sollen Energiebedarf, Energiekosten sowie CO2-Restemissionen auf einstellige Bruchteile der heutigen Situation geschrumpft sein.

Die Wohnungsbaugenossenschaft Bergedorf-Bille (9785 Wohnungen) hat schon 2024 ein auf Geothermie basierendes Nahwärmenetz für 88 Wohnungen (Billwiese) entwickelt. Der Energieeinsatz halbiert sich gegenüber den vorherigen Gasheizungen und es werden jährlich 120 Tonnen CO2 eingespart. Ihre Erfahrungen wendete sie bei einem komplexen, viel größeren Quartiersprojekt für 556 Wohnungen – „Dünenweg“ – an. Marko Lohmann, Vorstand der eG, berichtete auch von der fortlaufenden Einbeziehung der Bewohner*innen und dass sie bereit seien, für Klimaschutz auch etwas höhere Warmmieten zu zahlen.

Oliver Veigl erklärte anhand eines der „worst performing buildings“ des familiengeführten Wohnungsbau-Unternehmens Plambeck (3200 Wohnungen) die Sanierungsstrategie und ihre Herausforderungen. Im Beispielprojekt Sentastrasse wird eine fast 90-prozentige Einsparung von Primärenergie und CO2-Emissionen erwartet.

Folgen Sie bitte diesem Link zu den Details dieses Erfahrungsschatzes: Präsentation Fairer Klimaschutz in Mehrfamilienhäusern

Im anschließenden Podiumsgespräch äußerten beide, Silke Bainbridge Nott (Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen) und Rolf Bosse (Mieterverein), Anerkennung und Respekt für die nachahmenswerten Lösungsbeispiele. Auch wenn sie ‚natürliche‘ Antipoden im Wohnungsmarkt verkörpern, wurde viel common ground in Sachen sozialgerechter Energiewende sichtbar.

Die Nachhaltigkeitswerkstatt endete mit der Auflistung von Empfehlungen an Politik, Verwaltungen, die Wohnungs- und Stadtwirtschaft sowie für zivilgesellschaftliche Akteur*innen, wie der Weg (weiter) geebnet werden kann.

Mick Petersmann

Um praktische Schritte der Wende zu erneuerbaren Energien für Wohngebäude anzuregen, sollen „Tage des offenen Heizungskellers“ organisiert werden. Samstag, der 21. November 2026 ist als Anfang gesetzt.

Text: Mick Petersmann

Urheberrechtshinweis zu allen Fotos: „Hamburg Sustainability Week“
Die Fotos dürfen nicht an Dritte weitergegeben oder anderweitig verwendet werden.