Auf Initiative des GWÖ-Nord e.V. fand am 10. September ein bundesweiter Impulsabend der Gemeinwohl-Ökonomie statt. Rund 400 Menschen kamen an 19 regionalen Veranstaltungsorten in Deutschland und Österreich zusammen. Im Mittelpunkt stand die digitale Keynote von GWÖ-Botschafterin und Sprecherin Antje von Dewitz, Geschäftsführerin des Outdoor-Unternehmens VAUDE.

Dabei sparte von Dewitz die Widersprüche und Schwierigkeiten nicht aus. Konsumzurückhaltung und der Preisdruck großer internationaler Wettbewerber stellen auch VAUDE vor Herausforderungen. Das habe ihren Blick auf Themen wie Wachstum oder „Leihen statt Kaufen“ verändert. Wachstum sei für VAUDE notwendig, um im Wettbewerb bestehen zu können. Gleichzeitig müsse es verantwortungsvoll gestaltet werden. Als wichtiges Managementinstrument habe sich dabei die Gemeinwohl-Matrix bewährt. Zwischen 2019 und 2024 wuchs der Umsatz des Unternehmens um zwölf Prozent, während die CO₂-Emissionen gleichzeitig um 50 Prozent reduziert werden konnten. Das Geschäftsmodell „Leihen statt Kaufen“ hingegen schrieb auch nach mehreren Jahren Verluste und wurde schließlich eingestellt.

Nachhaltigkeit, so wurde in ihrem Vortrag deutlich, ist kein erreichter Zustand, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Dazu gehört für VAUDE auch die intensive Zusammenarbeit mit Zulieferern, Produzenten und Wettbewerbern, etwa im Rahmen der Fair Wear Foundation. Durch Kooperationen mit der Chemieindustrie konnten zudem PFAS-freie und andere schadstoffärmere Materialien für wasserabweisende Outdoor-Produkte entwickelt werden.

Auch innerhalb des Unternehmens setzt VAUDE auf Beteiligung. Von Dewitz hob unter anderem ein anonymes Beschwerdeverfahren für Mitarbeitende und Kund*innen als hilfreiches Instrument der Unternehmensführung hervor. Trotz der Konkurrenz durch Unternehmen mit höheren Löhnen in der Region gelinge es VAUDE, geeignete Mitarbeitende zu gewinnen.

Neben der Keynote bot der Abend an den 19 Standorten Raum für Austausch und Vernetzung. Auch wenn die technische Verbindung der verschiedenen Orte nicht immer reibungslos funktionierte, gelang zum Abschluss eine gemeinsame Frage- und Antwortrunde mit Antje von Dewitz. Vor allem aber zeigte der Abend, wie wertvoll der offene Blick auf die Realität nachhaltigen Wirtschaftens sein kann: mit Erfolgen, Zielkonflikten und Entscheidungen, die immer wieder neu ausgehandelt werden müssen.

Fotocredit: Jan Uwe Lammert