Bundesweiter hybrider Impulsvortrag

Ein bundesweiter Impulsabend der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) fand am 10. September 2026 statt. Unter dem Titel „Nachhaltig wirtschaften in turbulenten Zeiten – Ein Praxisblick von VAUDE“ erreichte die Veranstaltung ca. 400 Teilnehmende aus 17 sog. Impact Hubs, sprich Regionalgruppen. Im Mittelpunkt stand die digitale Keynote von Antje von Dewitz, Geschäftsführerin der Outdoormarke VAUDE. Frau von Dewitz sprach offen darüber, wie werteorientiertes Unternehmertum und Nachhaltigkeit unter starkem wirtschaftlichem Druck handlungsleitend bleiben können.
Von Dewitz ist eine prominente Sprecherin der GWÖ. Sie machte keinen Hehl daraus, dass die Konsum-Zurückhaltung als Krisenfolge genauso herausfordernd für ihr Unternehmen sei, wie die Niedrigpreise der umsatzstärkeren internationalen Konkurrenten. Diese Herausforderungen seien nicht folgenlos geblieben für ihre Einstellung z. B. zu den strittigen Themen „Wachstum“ und „Leihen statt Kaufen“. So benötige VAUDE Wachstum, um in der Konkurrenz bestehen zu können. Um aber dabei auf dem Pfad der Nachhaltigkeit zu bleiben, hätte sich die GWÖ-Matrix als ein wertvolles Management-Tool bewährt. Der VAUDE-Umsatz wuchs von 2019 bis 2024 um 12 % „verantwortungsvoll“, denn dem Unternehmen gelang es gleichzeitig 50 % ihrer CO2-Emissionen einzusparen. Allerdings verursachte die Sparte „Leihen statt Kaufen“ auch mehrere Jahre nach ihrer Einführung noch Verluste und musste aufgelöst werden.

Claudia Hasert (GWÖ) u. Frank Meinertshagen

Claudia Hasert (GWÖ) u. Frank Meinertshagen

Antje von Dewitz betonte in ihrem Vortrag, dass die nachhaltige Ausrichtung ein stetes Ringen sei und viel Investition in die Zusammenarbeit mit Zulieferern und externen Produzenten erfordere. Dazu zähle vor allem der produktive Austausch mit MitbewerberInnen zum „Fair Wear“-Label. So auch die gezielte Kooperation des Unternehmens mit der Chemieindustrie. Es konnten dadurch PFAS-freie und andere ungiftige Stoffe entwickelt werden, die Wasser abweisend und somit für Outdoor-Artikel unentbehrlich sind. Denn es gelang, trotz technischer Widernisse, nach dem Vortrag eine inspirierende Frage- und Antwortrunde zu gestalten. In Göttingen hatte die BG Göttingen dafür seine Tore geöffnet. Neben dieser Kooperation nach außen, identifizierte von Dewitz vor allem ihr vor einigen Jahren eingeführtes „Anonyme Beschwerdeverfahren für MitarbeiterInnen und KundInnen“ als wirksames Instrument für die Unternehmensführung. Obwohl ihr Betrieb umgeben sei von vielen Unternehmen, die hohe Löhne zahlen, habe man kein Problem damit gehabt, geeignete Arbeitskräfte anzuwerben.

Der Vortrag wurde als sehr informativ und beherzt empfunden. Ebenso interessant waren die informellen Gespräche vorher und nachher unter GWÖ-Mitgliedern und Interessierten. Kritik gab es an dem technisch überambitionierten Veranstaltungsformat, dass dem European Song Contest abgeschaut sein sollte.  Doch die virtuelle Vernetzung der vielen GWÖ-Regionalgruppen und Unternehmen war letztlich sehr motivierend. Denn es gelang, trotz technischer Widernisse, nach dem Vortrag eine inspirierende Frage- und Antwortrunde zu gestalten. In Göttingen hatte die BG Göttingen dafür seine Tore geöffnet.